FAQ zur Exportfinanzierung und Zahlungssicherung

 

Warum ist es sinnvoll, als Exporteur Käufer im Ausland zu finanzieren?

Insbesondere in Entwicklungs‐ und Schwellenländern ist es für Ihre Besteller herausfordernd, den Kaufpreis in Fremdwährung aufzubringen oder eine lokale Finanzierung mit passenden Kreditlaufzeiten zu erhalten.

Für den Erfolg Ihres Exportgeschäftes ist die Bereitstellung maßgeschneiderter
Finanzierungskonzepte deshalb ein wichtiger Faktor.

Produkt + Finanzierung = mehr Umsatz

Wie Zahlungen absichern und ausländische Käufer finanzieren?

Im kurzfristigen Bereich sind Akkreditive und Zahlungsgarantien die gängigsten Instrumente zur Absicherung von Zahlungsrisiken. Akkreditive mit Zahlungsziel, sogenannte Nachsichtakkreditive haben für Sie eine Sicherungsfunktion und für Ihre Käufer eine Finanzierungsfunktion.

Nachsichtakkreditive können über den Verkauf der Forderungen refinanziert werden.

Bei Verkäufen in Schwellen- und Entwicklungsländer ist es ratsam, Akkreditive (und Zahlungsgarantien) bestätigen zu lassen. Bestätigungen für Zahlungsziele oberhalb von 360 Tagen sind oft nur schwer zu finden.

Benötigt Ihr Kunde eine längerfristige Finanzierung, dann ist der direkte Lieferantenkredit, also der Verkauf auf Raten, oft unvermeidbar. Die für Sie hiermit verbundenen Risiken lassen sich mit Exportkreditgarantien (für Schwellen- und Entwicklungsländer z.B. in Deutschland über die Hermesdeckung, in Österreich über die OeKB und in der Schweiz über die SERV und in EU und anderen OECD Ländern über private Kreditversicherer wie Atradius, COFACE oder Euler Hermes) absichern.

So besicherte Forderungen lassen sich im Wege des Forderungsverkaufs gut refinanzieren.

Für größere Projekte, i.d.R. ab Euro 5.000.000,-, ist der sogenannte Bestellerkredit eine gutes Instrument. Hier finanziert eine Bank direkt Ihren ausländischen Kunden und sichert diese Finanzierung mit einer Exportkreditgarantie ab. Diese Finanzierungsform ist an Ihr Liefergeschäft gebunden und muss den Regeln des sogenannten OECD Konsensus entsprechend gestaltet werden.

Für Verkäufe von Investitionsgütern innerhalb Europas, aber auch in vereinzelte Schwellenländer, bieten auch Spezialfinanzierer und Leasinggesellschaften Lösungen an. Die sogenannte Absatzfinanzierung. Dies insbesondere dann, wenn Sie regelmäßig in diese Märkte exportieren.

Wann eignen sich welche Finanzierungsformen?

Die nachfolgende Tabelle stellt lediglich eine grobe Orientierung dar. Die Auswahl hängt von vielen Faktoren ab,
u.a. vom Finanzierungszeitraum, von der Höhe des Auftragswerts, von der Bonität des Landes und des Importeurs.

Fragen sie uns, wir helfen Ihnen gerne.

Finanzierungszeitraum

Kurzfristig

Mittelfristig

1 – 3 Jahre

Langfristig

> 3 Jahre

Produkte
Dokumenteninkasso ***
Akkreditiv (Letter of Credit bzw. L/C) *** ***
Lieferantenkredit (gedeckt/ungedeckt, mit/ohne Forfaitierung) *** *** ***
„Commercial Loan“ bzw. L/C-Anschlussfinanzierung *** *** *
Forfaitierung *** *** ***
Bestellerkredit (gedeckt bzw. ungedeckt) * ***
Internationale Absatzfinanzierung ***

* eignet sich bedingt, *** eignet sich gut

 

Welche Risiken müssen bei Exporten beachtet werden?

Liefergeschäfte ins Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden. Unterschiede bestehen im wirtschaftlichen
und politischen Bereich, Sprache und Kultur, aber auch in den Rechtssystemen.Generell kann zwischen
wirtschaftlichen und politischen Risiken unterschieden werden:

Wirtschaftliche Risiken

  • Bonitätsrisiko des privaten Schuldners oder Garanten (z.B. Konkurs, Vergleich oder fruchtlose Zwangsvollstreckung)
  • Nichtzahlung, Zahlungsverzug, Zahlungseinstellung
  • Abnahmerisiko
  • Wechselkursrisiko

Politische Risiken

  • Nichtzahlung durch öffentliche Schuldner oder Garanten
  • Unmöglichkeit der Zahlung durch private Schuldner aufgrund:
    • Gesetzgeberischer oder behördlicher Maßnahmen
    • kriegerischer Ereignisse und Unruhen
    • staatlicher Zahlungsverbote
    • Konvertierungs‐ und Transferverbote
    • Moratorien, Embargos, Enteignungen

Über die Ausgestaltung Ihrer Lieferungs- und Zahlungsbedingungen managen Sie diese Risiken. Vorauskasse wäre natürlich ideal, ist leider aber immer seltener durchsetzbar. Aber auch bei Zahlungszielen oder Lieferantenkrediten können Sie die Risiken
mit diversen Bankprodukten, den Exportkreditgarantien des Bundes (Hermes‐Deckungen) sowie Exportkreditversicherungen von privaten Anbietern absichern.

Wofür sind Akkreditive gut?

Akkreditiv („Letter of Credit“ bzw. „L/C“)

Das Akkreditiv ist im Rahmen einer Exportfinanzierung ein Geschäftsbesorgungsvertrag mit der Verpflichtung einer Bank,
nach Weisungen des Importeuers bei Vorlage bestimmter Dokumente innerhalb eines bestimmten Zeitraumes Zahlung
an den Exporteur zu leisten. Bei einem unwiderruflichen Akkreditiv („irrevocable letter of credit“) werden zwei Formen
unterschieden.

a. Unbestätigtes Akkreditiv („non‐confirmed letter of credit“)

Vorteile für Sie als Exporteur:

  • Sie haben mit dem Akkreditiv eine Zahlungsforderung gegenüber der ausländischen Bank und nicht mehr gegenüber dem Importeur. D.h. auch wenn der Importeur nicht zahlen kann oder will, bekommen Sie Ihr Geld von der Bank im Ausland. Zumindest, wenn diese zahlen kann, will und darf. Bei Ihnen verbleiben das Bonitätsrisiko der ausländischen Bank und die politischen Risiken des Importlandes. Diese entfallen beim bestätigten Akkreditiv:

b. Bestätigtes Akkreditiv („confirmed letter of credit“)

Vorteile für Sie als Exporteur:

  • Maximale Sicherheit
  • Sie haben eine Zahlungsforderung gegenüber einer Bank in Deutschland oder Europa, die von der Europäischen Bankenaufsicht zugelassen ist
  • Kein politisches Risiko

Nachteil:

  • Die Bestätigung verursacht zusätzliche Kosten

Was sind Exportkreditgarantien?

Exportkreditgarantien, auch Ausfuhrversicherung oder Exportrisikoversicherung genannt, sichern die Risiken des Ausfalls von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ins Ausland ab.

In Entwicklungs‐ und Schwellenländern ist eine Exportkreditgarantie (in Deutschland Hermesdeckung) regelmäßig eine zwingende Voraussetzung für das Zustandekommen einer Finanzierung (Bestellerkredit) oder den Ankauf von Forderungen aus Lieferantenkrediten (Forfaitierung). Die Gesamtkosten für einen versicherten Kredit sind trotz der zusätzlichen Kosten für die Versicherung meist geringer, als die Gesamtkosten, die ein Importeur für einen „ungedeckten“, also nicht versicherten Kredit in seinem Heimatland zahlen würde. Zusätzlich sind meist längere Kreditlaufzeiten möglich. In Entwicklungsländern mit eher instabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen kommt eine Finanzierung ohne eine Exportkreditversicherung
oftmals überhaupt nicht zustande.

Warum ist dies so? Über eine staatliche Exportkreditversicherung (ECA) wird letztlich die Bonität des Kreditnehmers (Käufer im Ausland) weitestgehend durch die gute Bonität der Exportkreditversicherung ersetzt. Auf diese Weise können Banken für einen Kredit mit einer ECA Deckung deutlich attraktivere Kreditkonditionen gewähren, weil das Ausfallrisiko sehr gering ist und nicht mit Eigenkapital unterlegt werden muss. Die Exportkreditversicherung des Bundes, Euler Hermes, hat beispielsweise ein exzellentes AAA Rating, nämlich das der Bundesrepublik Deutschland.

Exportorientierte Staaten bieten im Interesse ihrer Exportwirtschaft die staatliche Exportkreditversicherungen zur Absicherung sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Risiken an.

Staatliche Exportkreditversicherungen unterliegen einem internationalen Regelwerk, dem sogenannten OECD-Konsensus. Er ist
geschaffen worden, um ein gegenseitiges Unterbieten der staatlichen Fördersysteme zu verhindern.

Die wichtigsten Regelungen betreffen:

Die Zahlungsbedingungen:

  • mindestens 15 % An‐ und Zwischenzahlung
  • max. 85 % Kredit

Die Höchstkreditlaufzeiten:

  • in der Regel 5 – 10 Jahre,
  • in bestimmten Industrien (z.B. erneuerbare Energien, Schiffe, Flugzeuge) auch länger,
  • Kreditlaufzeiten sind abhängig vom Projektvolumen und Industriesektor

Den Beginn der Rückzahlung (sog. „Starting Point“)

Die Mindestzinssätze

Die Sonderregelungen für

  • Projektfinanzierungen
  • Schiffsfinanzierungen
  • Flugzeugfinanzierungen

Staatliche Exportkreditversicherungen sichern Risiken im Außenhandel ab, die der private Versicherungs‐ und oder
Bankenmarkt nur eingeschränkt übernehmen kann oder möchte. Sie sind besonders geeignet für Kredite
mit längeren Laufzeiten. Sie werden auch gebraucht, wenn größere Kreditbeträge für Besteller in Entwicklungs‐ und
Schwellenländern mobilisiert werden müssen. ECA‐Deckungen werden im Auftrag und auf Rechnung des Staatsbudgets
abgegeben. Sie unterliegen in Deutschland der Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums („BMWi“).

Die Verwaltung der ECA‐Deckungen unterliegt jedoch meistens einer privaten Versicherungs‐ oder
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In Deutschland ist die Bearbeitung aller staatlichen Ausfuhrgewährleistungen der Euler
Hermes Aktiengesellschaft als Mandatar des Bundes übertragen, weshalb die Ausfuhrgewährleistungen des Bundes im
Allgemeinen als Hermesdeckungen bekannt sind.

Was ist ein Lieferantenkredit?

Lieferantenkredite sind üblicherweise Kredite, die Lieferanten ihren Kunden durch Gewährung von Zahlungszielen einräumen.
In diesem Sinne verwenden auch wir den Begriff Lieferantenkredit

In der Exportfinanzierung wird der Begriff Lieferantenkredit allerdings bisweilen auch als Synonym für Kredite von Banken an Exporteure
verwendet. Mit diesen Krediten können Sie als Exporteur Ihre Aufwendungen für Exportgeschäfte während der Produktions‐
bzw. Lieferzeit und der Phase einer möglichen Zielgewährung an den ausländischen Käufer (Besteller) finanzieren. Solche Kredite
werden von Banken je nach Bonität des Exporteurs zur Verfügung gestellt.

Vorteile für Sie als Exporteur:

  • Lieferantenkredite unterstützen Ihren Absatz.

Nachteile:

  • Die Vergabe von Lieferantenkrediten belastet Ihre Liquidität. 
  • Als Exporteur tragen Sie zunächst alle Risiken aus dem Liefergeschäft, z.B.
    • Bonitätsrisiko (Risiko, das der Importeur nicht zahlt)
    • Währungsrisiko
    • Transferrisiko
    • Länderrisiko

Aber Sie sichern diese Risiken natürlich mit einer Lieferantenkreditdeckung ab und entlasten Ihre Liquidität durch den Verkauf der Forderungen.

Lieferantenkredit + Forfaitierung = attraktive Finanzierungslösung

Die Herausforderung

Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Exporteure ihren Auslandskunden zusammen mit dem Produkt auch attraktiven Zahlungsbedingungen, also eine möglichst maßgeschneiderte, langfristige Finanzie­rung aus einer Hand anbieten können. Die Kunden verlangen häufig Finanzierungslaufzeiten von mehre­ren Jahren.

Für kleinere Auftragswerte (i.d.R. unterhalb von € 5 Mio.) bieten die meisten Banken keinen Bestellerkredit an.

Viele KMU möchten ihren Auslandskun­den daher gerne einen sog. Lieferantenkredit anbieten. Oft stellen sie bei näherer Betrachtung aber fest, dass nicht genügend Eigenmittel für eine solche Kreditvergabe vorhanden sind.

Gesucht wird daher eine Finanzierungsalternative, die Handlungsspielraum für weiteres Wachs­tum gewährleistet und die bestehenden Kreditlinien nicht über einen längeren Zeitraum mit weni­gen Aufträgen blockiert.

Wie könnte eine geeignete Finanzierungs- und Absicherungsstrategie für KMU aussehen?

Forfaitierungslösung

Die Forfaitierung umfasst den regresslosen Verkauf der gesamten Forderungen aus dem Exportge­schäft (mit dem Importeur vereinbarte ratierliche Zahlungen) an eine Bank oder spezialisierte Forfaitierungsgesellschaft; bei einem eventuell spä­ter eintretenden Nichtzahlungsfall des Importeurs kann kein Rückgriff mehr auf den Expor­teur erfolgen. Der Exporteur erhält sofort den um die Forfaitierungskosten geminderten Barwert der Kaufpreisraten. Aus dem Lieferantenkredit wird aus Sicht des Exporteurs ein Bargeschäft. Der Exporteur bleibt aber auch nach Verkauf der Forderung für deren rechtlichen Bestand und den ordnungsgemäßen Ablauf des Liefergeschäfts verantwortlich.

Für Exporte in Entwicklungs- und Schwellenländer ermöglicht erst die Lieferantenkreditdeckung des Bundes (Absicherung der politischen und wirtschaftlichen Risiken) den Forderungsverkauf und führt zu attraktiven Finanzierungs- und Forfaitierungskonditionen. Deshalb sollten Exporteure parallel zu den Liefervertragsverhandlungen die Lieferantenkreditdeckung bei Euler-Hermes beantragen. Hierbei ist es wichtig, von Beginn an die Absenkung des Selbstbe­halts für die wirtschaftlichen Risiken auf 5% zu beantragen. So kann das wirtschaftliche Eigen­tum an den Forderungen später tatsächlich vom Exporteur auf die Bank bzw. Forfaitierungsgesellschaft über­gehen („True Sale“) und die Bilanz des Exporteurs entlastet werden. Es ist auch sinnvoll, die Vertragsgestaltung auf der Grundlage der anzuwendenden Bilanzierungsstandards mit dem Wirt­schafts­prüfer oder Steuerberarter zu besprechen, damit dieser den True Sales anerkennt.

Per Saldo ist ein Lieferantenkredit mit Forfaitierung eine sehr gute Lösung für Auftragsvolumen, die für Bestellerkredite zu gering sind.

Vorteile für Sie als Exporteur:

  • Gewährung längerfristiger Zahlungsziele
  • Sofortige Liquidität
  • Bilanzentlastung bei einem „True Sale“[1]
  • Bei Zahlungsausfall kein Rückgriff auf den Exporteur, d.h. Übertragung der Kreditrisiken (Zahlungs- , Zinsänderungs- und Währungsrisiken) auf die eingeschaltete Bank.

Nachteile:

  • Ein Lieferantenkredit auf Hermes-Basis (insbesondere relevant für Entwicklungs- und Schwellenlän­der) setzt viele eigene Aktivitäten voraus (Exportvertrag inkl. Finanzierungsangebot müs­sen Anforderungen von Euler-Hermes und der forfaitierenden Bank / Forfaitierungsgesell­schaft erfüllen). Bei Bedarf helfen bei uns akkreditierte Berater bei der Gestaltung

[1] Voraussetzung für einen „True Sale“ ist, dass das wirtschaftliche Eigentum an der Forderung auf die Bank übergeht. Voraussetzung dafür ist, dass die Bank das Forderungsausfallrisiko übernimmt, d.h. dass das Bonitätsrisiko ganz überwiegend auf den Käufer übergehen muss. Diese Prüfung und Beurteilung des Einzelfalls obliegt letztendlich dem Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater auf Grundlage der jeweils anwendbaren Bilanzierungsstandards.

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